18.09.09

In eigener Sache / 20.000 Besucher!

Hallo, heute hat der 20.000.ste Gast Skankrimi-Blog gestöbert.
Ich weiß, ich weiß ... es gibt Blogs, die haben pro Woche so viele Leser.

Ich freue mich trotzdem sehr über die runde Zahl und sende unbekannterweise einen lieben Gruß an den 20.000.sten Leser.

viele Grüße
Ingrid

17.09.09

Crime-Telegramm / Thallium-Mörder auf der Flucht

Terje Wiik, der seine Nachbarin mit Thallium vergiftet hat und zu 21 Jahren Haft und 10 Jahren Sicherheitsverwahrung verurteilt worden ist (der ganze Fall ist hier geschildert), kam am Freitag von einem Freigang nicht zurück. Er hat Norwegen verlassen und reiste bis nach Frankreich. In Strasbourg ging er zum Gericht für Menschenrechte. Vollkommen unangemeldet nahm er Kontakt mit einem Sachbearbeiter auf. Offenbar wollte er erreichen, dass sein Fall in Strasbourg vor Gericht kommt.
Gleichzeitig wurde bekannt, dass es Wiik gelungen war, vom Gefängnis aus einen neuen Pass zu bestellen. Im Passamt hat sich niemand darüber gewundert, dass ein Gefängnisinsaße einen Pass beantragt! Den Pass hat er allerdings nie abgeholt.
Wo er im Moment steckt, ist nicht bekannt. Er hatte ein Handy, die Nummer wurde nun gesperrt. Am Samstag hat er mit seinem Anwalt telefoniert und ihm versprochen, am Montag zurück in Norwegen zu sein. Im Moment sei er nur zu krank für die Reise, er würde jedoch zurückkommen, so bald es ihm gesundheitlich möglich ist. Seit diesem Anruf hat der Anwalt nichts mehr von ihm gehört.
Nach Wiiks Verschwinden wurde auch noch bekannt, dass Wiik in den letzten fünf Jahren bereits 24 Mal Freigang hatte!
In Anbetracht der Tatsache, dass Wiik außer der Haftstrafe auch noch die in Norwegen recht seltene Sicherheitsverwahrung bekam, wirkt diese Freigang-Praxis auf die meisten Norweger doch recht merkwürdig.

15.09.09

Mord unter Teenagern




Das Video wurde zur Erinnerung an Therese bei Youtube veröffentlicht

Mord aus Leidenschaft, Mord aus Hörigkeit, Mord aus Eifersucht - alles "erwachsene" Verbrechen? Verbrechen, die nur von Menschen verübt werden, die weit über 20 sind und schon einige Frustrationen im Leben meistern mussten? Schweden hatte in diesem Sommer einen Fall, der zeigte, dass auch Teenager Opfer dieser destruktiven Gefühle werden können. Fassungslos registrierte die schwedische Öffentlichkeit, dass ein junges Mädchen sterben musste, weil ein anderes Mädchen es so wollte und ein Junge sich dazu verpflichtet fühlte. Therese Johansson Rojo wurde nur 15 Jahre alt. Ihre Mörder sind nur etwas älter, beide sind 16. Aufgrund ihres jugendlichen Alters ist ihre Identität geheim, ich nenne sie hier "Sven" und "Eva" - schwedische Allerweltsnamen, die mit den wirklichen Tätern nichts zu tun haben.

Thereses Leiche wurde in der Nacht zum 7. Juni in einem Stockholmer Park gefunden. Die Obduktion zeigte später, dass sie erwürgt, getreten und geschlagen worden war. Noch in der gleichen Nacht verhörte die Polizei alle Jugendlichen, mit denen Theresa in der Nacht zum Sonntag Party gefeiert hatte. Sehr schnell wurde der Polizei klar, dass kein Außenstehender den Mord begangen haben konnte. Bereits drei Tage später wurden Sven und Eva festgenommen.

Sven, Eva und Therese hatten die gleiche Schule besucht, sie waren gute Schüler. Svens Lehrer berichtet, dass Sven ausgesprochen höflich und nett war. Sven und Eva waren seit 2007 ein Paar, sie liebten sich und galten als unzertrennlich. Eva hatte in der Schule nur Bestnoten, sie galt als ausgesprochen ambitiös und fleißig. Manchmal hat Sven aber auch die Nase voll von immer eifersüchtigen Eva. Trotzdem bleiben sie zusammen und ihr Zusammengehörigkeitsgefühl war zeitweise so dominant, dass sie viele Freunde verloren und sogar ihre Eltern nervös wurden. Svens Eltern hofften sehr, dass Sven seine Schwärmerei für Eva aufgibt und sich von ihr trennt.

Vielleicht wollte Sven wirklich aus der Beziehung ausbrechen, vielleicht auch nicht. Seinen Eltern gegenüber beteuerte er jedenfalls, dass er für Eva einfach "alles" tun würde. Trotzdem flirtet er in der Walpurgisnacht heftig mit seiner Mitschülerin Therese. Es kommt zu einem Kuss. Dieser Kuss war Thereses Todesurteil!

In der Schule wurde nun heftig geklatscht. Liebt Sven seine Eva doch nicht so, wie er immer behauptet? Weiß Eva überhaupt was davon? Sie wusste nichts. Erst nach Wochen erreichte der Klatsch auch sie. Als sie erfährt, dass Sven Therese geküsst hat, bekommt sie einen hysterischen Anfall und prügelt im Schulhof vor den Augen aller anderen auf ihn ein.

Sie trennt sich von ihm. Aber er kann sie nicht vergessen, bettelt um ihre Liebe - und bekommt sie erneut.

Aber um welchen Preis! Eva wollte Sven nur zurücknehmen, wenn er Therese tötet. Immer wieder fordert sie ihren Tod, immer wieder nimmt Sven einen Anlauf zu dieser schrecklichen Tat, um Eva zurück zu gewinnen. Einmal wartet er stundenlang auf sie, zu einem anderen Zeitpunkt nimmt er sich vor, sie mit einer Wodkaflasche zu erschlagen. Doch immer wieder fehlte ihm der letzte Mut. Er hatte Skrupel und wahrscheinlich auch Zweifel. Erst als ihm Eva die Pistole auf die Brust setzt und ein Ultimatum stellt, sogar SMS mit Mordaufforderungen schickt, sieht er keinen Ausweg mehr. Er weiß, wenn er Therese nicht tötet, wird sich Eva für immer von ihm trennen.

Am 6. Juni ist in Schweden Nationalfeiertag. 2009 war es ein Samstag, man feierte, Schüler und Studenten zogen durch Stockholm, gingen auf Partys und genossen den frühen Sommer. An diesem Abend spricht Sven Therese an. Er behauptet, dass er mit ihrer über den Walpurgisnacht-Kuss reden will. Sie willigt ein, geht mit ihm in einen Park - und wird ermordet! Erst würgte er sie, dann drehte er völlig durch und schlug und trat nach dem bereits leblosen Körper. Therese lebte wahrscheinlich noch, als er sie verließ. Sie starb alleine im Park aufgrund der zahlreichen Verletzungen.

Während des Prozesses sagte Sven: "Eva und ich befanden uns in einer Glasglocke. Ich war von ihr abhängig. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es außer Eva noch andere Mädchen geben könnte."

Eva sagte: "Unsere Beziehung war sehr intensiv. Ich schrieb ihm beleidigende Briefe und im Telefon sagte ich immer wieder, dass es Aus ist. Ich wollte, dass er mich nicht mehr mag. Ich wollte, dass es aufhört. Aber er machte einfach nicht Schluss." Über den Mord sagte sie: "Ich dachte wirklich nicht, dass er das Zeug dazu hat. Ich dachte, dass ich ihn kenne. Ich dachte, es sei ein Spiel, damit ich ihn endlich loswerde. Wenn ich gewusst hätte, dass er es wirklich tut, hätte ich nie davon gesprochen."

Trotzdem schrieb sie ihm nach der Tat mehrere Liebesbriefe. "Wir gehören zusammen, wir haben zusammen gehört, seit wir uns das erste Mal gesehen haben."

Diese Briefe waren der wichtigste Beweis der Anklage, sie zeigten, dass Evas Behauptung, dass sie mit Sven eigentlich Schluss machen wollte, nicht stimmte.

Das Urteil: Beide wurden Schuldig gesprochen, Sven schuldig in Mord, Eva schuldig in Anstiftung zum Mord. Das Strafmaß ist noch nicht bekannt. Wie in Schweden üblich, wird erst nach dem Urteil eine psychiatrische Untersuchung durchgeführt. Diese Untersuchung findet zur Zeit statt. Das Ergebnis der Untersuchung wird dann als Grundlage für das Strafmaß verwendet. Da beide jedoch erst 16 sind, werden sie mit Sicherheit nur wenige Jahre hinter Gittern verbringen müssen.

Und wie immer, wenn Jugendliche zu Tätern werden, fragt man sich nun: Hätte man es verhindern können? Warum hat niemand die Zeichen erkannt, gespürt, gesehen? Was machte zwei Musterschüler, wie Sven und Eva es ja waren, zu Menschen, die keine Empathie spüren?