09.12.09

Die Schlüssel zur Wahrheit - Die Geschichte der Blekingegade-Bande (dänisch: "Blekingegadebanden")

Vorab: Es erschien mir bisher fast unmöglich, die Geschichte der so genannten Blekingegade-Bande im Rahmen dieses Blogs zu schildern. Es ist einfach schon so viel darüber geschrieben worden, der Autor Peter Øvig Knudsen hat zwei Bücher darüber veröffentlicht, es gibt einen Film und nun auch eine mehrteilige dänische TV-Serie. Die Geschichte der Bande hat unzählige Aspekte, ich kann sie hier einfach nicht alle erwähnen. Vielleicht werden ja die Knudsen-Bücher mal ins Deutsche übersetzt, dann kann man sich in das Thema vertiefen, falls man das möchte. Allerdings habe ich selbst einen klitzekleinen Berührungspunkt zu diesem Teil dänischer Kriminalgeschichte. In den 80er Jahren war ich fast täglich im Postamt der Kopenhagener Købmagergade. Es waren jene vorsintflutlichen Zeiten ohne Internet und PC und man musste in ein Postamt an den Ticker, später gab es dort dann sogar das sensationelle Fax-Gerät! Als dann der Geldtransport überfallen wurde und ein Polizist dabei sein Leben verlor, war es fast so, als wäre im eigenen Vorgarten ein Verbrechen passiert. Die Blumen, die sich dann vor dem Postamt anhäuften, die trauernden Polizisten ... all das werde ich nie vergessen.



Der Schlüsselmoment
Im April 1989 hatte die Kopenhagener Polizei mehrere Personen festgenommen, die unter Verdacht standen, eine Reihe von spektakulären Raubüberfällen begangen zu haben. Mit den Geldern unterstützten sie eine Terrorgruppe im Nahen Osten. So die Theorie der Kripo. Aber alle hatten bis zu ihrer Festnahme bürgerliche Leben geführt. Die Frau des verhafteten Jan Weimann hatte bis zu dem Moment, an dem die Polizei an der Tür klingelte, keine Ahnung vom Doppelleben ihres Mannes gehabt. Der Staatsanwaltschaft lief die Zeit davon, die Beweise reichten für eine längere U-Haft nicht aus. Allerdings hatte man bei den Hausdurchsuchungen drei Schlüssel gefunden. Die Polizei vermutete, dass sie zu einer konspirativen Wohnung gehörten, aber man fand die Wohnung einfach nicht. Bis zum 2. Mai. An jenem Tag kam es zu einem merkwürdigen Unfall. Ein Mann war direkt gegen einen Brückenpfeler gerast. Er wurde schwer verletzt geborgen, konnte aber gerettet werden. Allerdings verlor er für immer sein Augenlicht auf beiden Augen. Der Mann hieß Carsten Nielsen, und in seinem Auto fand man Pässe mit den verschiedensten Namen, man fand auch Perücken, Schminke, Geld - und eine Rechnung, die an die Adresse "Blekingegade 2, 1. Stock rechts" gesendet worden war. Die Polizei legte 1 und 1 zusammen, fuhr zu der Adresse, steckte die Schlüssel in drei Sicherheitsschlösser der Türen, und war endlich in der gesuchten Wohnung! Man fand eine Funkausrüstung, Maschinenpistolen, Handgranaten, drei Kilo Plastiksprengstoff und sogar 28 Panzerabwehrraketen. Außerdem fand man eine Schachtel mit Notizen zu verübten Raubüberfällen. Endlich hatte die Polizei ihre Beweise! Und man hatte auch einen Namen für die Bande, die zehn Jahre lang für Unruhe in Kopenhagen gesorgt hat. Ab diesem Tag hieß sie nur noch die Blekingegadebande.