15.11.12

Neue DNA-Spuren geben Hoffnung in alten Fällen - Der Mord an Anne Stine Geisler

Gleich 14 Morduntersuchungen werden nun in Dänemark dank der Fortschritte in der DNA-Forschung neu aufgerollt. Einige der Fälle liegen 30 Jahre und weiter zurück, man hatte bereits aufgegeben, jemals den Mörder zu finden. Aber nun ist die Technologie so weit, dass man aus minimalen Spuren bereits die DNA isolieren kann.

Nachdem die Polizei bekannt gegeben hatte, dass man nun in einer Reihe von Fällen erneut nachforschen will, reagierte auch die Öffentlichkeit. Die Polizei bekam zahlreiche neue Hinweise.

Der Mord an Anne Stine Geisler

Der bekannteste Mord, der nun vielleicht endlich aufgeklärt wird, ist der schreckliche Tod von Anne Stine Geisler a1990. Die 18-Jährige wohnte mitten in der Altstadt von Kopenhagen in einem Zimmer für sich alleine. Die Eltern wohnten ein Stockwerk tiefer und hatten extra ein Mansardenzimmer für sie dazu gekauft und eingerichtet.

Alles schien wirklich perfekt zu sein.


Am späten Pfingstsonntag-Abend kam Anne Stine nach Hause. Die Polizei geht davon aus, dass sie das Tor zum Nebenhaus aufschloss, um ihr Rad in den Hinterhof zu stellen, und dann über eine so genannte Kellertreppe, wie man sie in allen Kopenhagen Wohnhäusern findet, in ihr Mansardenzimmer gehen wollte. Ihr Fahrrad stellte sie noch ab, dann wurde sie irgendwo auf dem Weg zwischen Hinterhof und Zimmer von ihrem Mörder überrascht.

Er schleppte sie in den Keller, fesselte sie mit einer Leitung und stopfte ihr Lumpen in den Mund. Dann zerschnitt er ihr Gesicht und ritzte ihr ein mysteriöses Symbol in den Unterarm. Am Ende überschüttete er sie mit flüssigem Bohnerwachs. Sexuell wurde sie wahrscheinlich nicht misshandelt. Anne Stine erstickte an den Lumpen, die ihr der Mörder in den Mund gesteckt hatte.

Anne Stine hatte dank der elterlichen Wohnung in der Altstadt viele Freunde und Bekannte aus Künstler- und Schicki-Micki-Kreisen, die dort in den beliebten Altstadt-Bars und Cafés Stammgäste waren. Anne Stine und ihre Freunde trafen sich besonders gerne in der Bar "Sabines Cafeteria".

Laut ihrem Tagebuch hatte sie auch eine Affäre mit einem 40-jährigen verheirateten Journalisten. Die Polizei verhörte alle, die Anne Stine gekannt hatte - aber den Mörder fand sie nicht.

Anne Stine Geisler



In diesem Keller fand man Stines Leiche





Der letzte Abend in Anne Stines Leben war sehr ereignisreich verlaufen, gleich mehrere Männer kreuzten an diesem Tag ihren Weg - und die Polizei hatte sie alle im Visier.

Stine jobbte neben dem Gymnasium im in Kopenhagen recht berühmten Café Wilder im Stadtteil Christianshavn. Hier kam ein ca. 40-Jähriger zu ihr. Sie sprachen kurz zusammen an einem Tisch, dann ging er.
Als Stine Feierabend hatte, radelte sie in ein anderes Stadtteil, dort traf sie sich mit dem 40-jährigen Journalisten, mit dem sie eine Affäre hatte. Später radelte sie weiter zu einem Schulfest und erzählte dort, dass sie sich von einem Mann getrennt hatte, in dem sie immer noch verliebt war.

Nach der Party radelte sie mit Freunden gemeinsam zurück in die Altstadt - dort sah ein Nachtwächter zu dem gleichen Zeitpunkt, als sie sich von ihren Freunden verabschiedete, vor dem Haus, in dem man ihre Leiche fand, einen jungen Mann in einer schwarzen Lederhose.

Nachdem nun bekannt geworden war, dass es endlich eine DNA des Mörders gibt, hat die Polizei Hinweise auf weitere Männer erhalten, die in jener Nacht in der Kopenhagener Altstadt gewesen waren.

Der Mord an Stine Geisler erregete 1990 wirklich großes Aufsehen in Dänemark, weil die Innenstadt Kopenhagens auf Pfingsten dank des Pfingst-Karnevals voller Menschen war. Wie konnte so etwas geschehen, ohne dass jemand was gehört oder gesehen hatte? Außerdem traf der Mord die Kopenhagener, die alle meist mit dem Rad unterwegs sind, an einer empfindlichen Stelle. Wahrscheinlich gibt es kaum jemanden in Kopenhagen, der noch nicht in einer dunklen Nacht mal sein Fahrrad in einem Hinterhof abgestellt hat. Viele kennen das unheimliche Gefühl, alleine in einem dunklen Hinterhof zu sein, irgendwo Geräusche zu hören ... es ist immer etwas unheimlich, und nun wurden diese Ängste durch den Mord an Stine bestätigt.

Jahre später diente der Mord auch als Vorlage für das Verbrechen in der TV-Serie "Kommissarin Lund".



Die anderen Fälle, die nun neu aufgerollt werden:

 1985 wurde Erna Jensine Östergaard in Kopenhagen in ihrer Wohnung ermordet. Sie wurde 80 Jahre alt, es war wahrscheinlich ein Raubmord. Der Mord war bestialisch, der Täter hatte ihr immer wieder in die Magenregion mit einem Papiermesser gestochen. Dann erwürgte er sie auch noch mit einer Plastiktüte.

1985 wurde Laila Kaarina Virtanen mit 35 Jahren in ihrer Massageklinik ermordet

1990 starb Hanne With mit 23 Jahren in der Silvesternacht in ihrer Wohnung in Kopenhagen. Hanne With war Prostituierte und drogenabhängig. Ihr Mörder hatte ihr den Hals durchgeschnitten und sie erstochen.

2007 wurde der Autohändler Freddie Olin Pedersen erwürgt, als er und seine Frau zuhause von Räubern überfallen wurden, beide fesselten und ihnen den Mund mit Tape zuklebte. Er erstickte.

1967 starb die Lehrerin Bente Pedersen

1988 wurde Ole Vens Harry Ibsen erschlagen

1988 wurde der 75-jährige Bauer Ove Victor Larsen ermordet und sein Hof angezündet

1997 starb Alice Kanslime

1998 fand man die Leiche von Birte Dannemann Jensen. Sie wurde 35 Jahre alt und verschwand bereits 1997.

1999 wurde die 88-jährige Astrid Beatrice Mortensen in ihrer Wohnung erstochen

1995 fand man Karmelia Marie Bianosom ermordet auf einen Spielplatz in Aalborg

1996 ermordete man Finn Jensen nach einem Besuch im Kasino, seine Leiche lag im Straßengraben

1997 wurde Connie Birgitte Svendson auf der Insel Bornholm ermordet.




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen