11.08.12

Thomas Quick - seine angeblichen Morde

Fortsetzung zu diesem Blog-Beitrag
Es gab Urteile oder zumindest Geständnisse. Nun sind es Morde, die Thomas Quick nie begangen hat - eine lange tragische Liste ungeklärter Fälle:


Charles Zelmanovits. Er verschwand am 13. November 1976 bei einem Schulfest in Piteå – am 19. September 1993 fand man seine sterblichen Überreste in der Heide. Unmittelbar sah es nicht so aus, als läge ein Mord vor, aber Thomas Quick gestand den Mord. Er hatte 1976 allerdings kein Auto und hätte gar nicht in die Heide fahren können. Er behauptete allerdings, es gäbe einen Mittäter, der nach dem Mord Selbstmord begangen habe. 1994 wurde Quick ohne jeglichen Beweis verurteilt. Während des Prozesses bekam Quick immer wieder Wein-Attacken und musste mit Tabletten ruhig gestellt werden. – Das Urteil soll demnächst aufgehoben werden.

Marinus und Janni Stegehuis - ein holländisches Paar, das in Schweden Urlaub gemacht hatte. Am 13. Juli 1984 fand man sie erstochen in und neben ihrem Zelt am Ufer des nordschwedischen Sees Vuolep Appojaure. Neben den Leichen fand man neun leere Bierdosen, Marinus hatte jedoch nur 0.7 Promille, Janni hatte überhaupt nichts getrunken. Die beiden Holländer müssen also mit ihrem Mörder zusammen gefeiert haben, er muss einen Teil des Bieres getrunken haben. 20 km vom Tatort entfernt fand man später Jannis Handtasche. Quick gestand den Doppelmord 1994, kurz nach dem er wegen dem Mord an Zelmanivits verurteilt worden war. Ohne jegliche Beweise wurde er am 25. Januar 1996 verurteilt. – Das Urteil soll aufgehoben werden. Tragisch: In den Jahren nach dem Urteil sind mehrere Hinweise zum Doppelmord bei der Polizei eingegangen. Da es aber bereits ein Urteil gab, waren die Nachforschungen eingestellt worden.

Trine Jensen – Die 17-Jährige verschwand 1981 in Oslo. Zwei Monate später fand man ihre Leiche in einem Wald. Am 22. Juni 2000 wurde Quick deshalb verurteilt. Das Urteil wurde im April 2012 aufgehoben.

Gry Storvik – Die 23-Jährige wurde am 25. Juni 1985 tot auf einem Parkplatz bei Oslo gefunden. Man fand an ihrer Leiche Spermaspuren, die nichts mit Quick zu tun hatten, trotzdem wurde er am 22. Juni 2000 im gleichen Prozess, der auch wegen dem Mord an Trine Jensen geführt wurde, verurteilt. Das Urteil wurde im April 2012 aufgehoben.

Johan Asplund war 11 Jahre alt, als er 1980 aus Sundsvall verschwand. Eine Leiche wurde nie gefunden. Quick gestand den Mord 1993 – es war sein erstes Geständnis. 2001 wurde Quick verurteilt, aber Johans Eltern glaubten nie daran, dass Quick der Mörder war. Sie fechteten das Urteil immer wieder an, im Januar 2012 wurden alle Anklagen schließlich aufgehoben. 

Yenon Levi stammte aus Israel. Der 24-Jährige wurde am 11. Juni 1988 tot auf einem Waldweg in Schweden gefunden. 1997 wurde Quick wegen dem Mord verurteilt. 2009 beantragte Quick Revision, 2010 wurde er freigesprochen – außerdem soll er in diesem Fall auch Schadensersatz in Höhe von 240.000 Euro bekommen. Die Polizei hat im August 2012 die Nachforschungen erneut aufgenommen, u.a. gibt es DNS an Zigarettenkippen, die man am Tatort gefunden hat.


Therese Johannesen – einer der aufsehenerregendsten Morde, die Quick gestanden hat. Die 9-Jährige verschwand spurlos am 3. Juli 1988. Das kleine Mädchen war nur kurz weg, um Süßes zu kaufen und kam nie wieder nach Hause. Das letzte Mal sah man sie am Kiosk, sie kaufte mit dem Geld, dass ihr die Oma gegeben hatte, eine Cola und eine Schokolade. Der Angestellte sah noch, wie sie mit ihrer Tüte in der Hand wieder weg ging. Seitdem fehlt jede Spur von ihr. Quick gestand den Mord und er war sehr überzeugend. U.a. konnte er erzählen, dass Therese ein Ekzem gehabt hatte.  Er behauptete, die Leiche in einem See versenkt zu haben – der ganze See wurde leer gepumpt, aber die Leiche fand man nicht. Am 2. Juni 1988 wurde er trotzdem verurteilt, im März 2011 wurde die Anklage wieder zurück genommen und das Urteil aufgehoben.


Außer diesen Morden gab es noch ca. 30 andere in Finnland, Dänemark, Norwegen und Schweden, die Quick gestanden hat, bei denen es aber nie zu einem Prozess kam. In einigen der Fälle gab es schlicht und einfach gar keinen Mord, die angeblichen Opfer lebten. Andere Fälle waren verjährt oder es gab Zeugenaussagen, die Quicks Aussage widersprachen.


Einige der Morde, die Quick außerdem gestanden hat:
Thomas Blomgren – er starb 1964, Quick wurde an diesem Wochenende konfirmiert. Der Mord war verjährt, aber die Staatsanwaltschaft betrachtete den Fall lange Zeit als „geklärt“
Alvar Larsson – er verschwand 1967, Quicks Zwillingsschwester war jedoch in dem Zeitraum mit ihm zusammen.
Raine Svensson – er arbeitete in einem Krankenhaus, in dem Quick untergebracht war. Er verschwand 1971, eine Leiche wurde nie gefunden.
Benny Forsgren – er verschwand 1976.
Marianne Rugaas Knudsen – sie war nur 7 Jahre alt und verschwand 1981 in Oslo spurlos, ihre Leiche wurde nie gefunden.
Magnus Nork – er war nur 3 Jahre alt, seine Leiche fand man in einem Abfallraum in Jönköping in Schweden.


Die Angehörigen von Johan Asplund und Charles Zelmanovits fordern nun eine Untersuchungskommission, die herausfinden soll, wie es möglich sein konnte, dass Staatsanwaltschaft, Polizei und Gerichte dermaßen in die Irre geführt werden konnten.


Thomas Quick - der Mann, der ein Serienkiller sein wollte.



Er war ein pädophiler, nekrophiler Serienkiller, der seine Opfer auch noch aß. Ein Monster. In ganz Skandinavien will er eine Spur des Todes hinter sich gelassen haben – am Ende gestand er 30 Morde in Schweden, Finnland, Norwegen und Dänemark. Und seine Eltern hatten ihn dazu gemacht, als sie seinen kleinen Bruder vor seinen Augen getötet hatten.
Aber nichts davon war wahr. Alles ist nur eine unendliche Geschichte von Lügenmärchen und Phantasiegeschichten. Im Grunde war er sein ganzes Leben nur ein drogenkranker Kinderschänder, der – lange mit großem Erfolg! – versucht hat, als „Serienmörder“ einen besonderen Status zu erlangen.  Erst vor einigen Jahren – als Quick bereits wegen acht Morden verurteilt war – fiel das Kartenhaus der erfundenen Killergeschichten langsam in sich zusammen. Aber die Polizei, die Staatsanwaltschaft, die Gerichte – alle glaubten ihm viele Jahre lang seine Geschichten. Auch wenn z.B. seine Geschwister versicherten, dass die Eltern nie eines der Kinder getötet hätten. Und sie glaubten ihm auch dann noch, als Bergwalls Lügen immer offensichtlicher wurde und er Morde an Personen gestand, die immer noch lebten. Erst die Arbeit eines schwedischen Journalisten brachte alles ans Tageslicht.

Aftonbladet "Man erschuf ein Monster"

Thomas Quick kam als Sture Bergwall 1950 im schwedischen Falun zur Welt. Später – in seiner Zeit als Lügenbaron der Kriminalgeschichte – nannte er sich Thomas Quick und wurde unter diesem Namen über die Grenzen Skandinaviens hinaus bekannt. Seit 2002 nennt er sich wieder Sture Bergwall. Ich werde ihn hier weiterhin Thomas Quick nennen, weil er als solcher bekannt wurde.
Er wuchs mit sechs Geschwistern auf, u.a. einer Zwillingsschwester. Sie hat später berichtet, dass Thomas als Kind bereits sehr nervig, aggressiv und vor allem manipulativ war. Fest steht, dass er TB bekam und einige Zeit in einem Sanatorium verbringen musste. Es steht auch fest, dass er bereits im Gymnasium anfing, Lösungsmittel zu inhalieren und langsam zu einem drogenkranken jungen Mann wurde, der eine Schwäche für kleine Jungs hatte. Als 19-Jähriger belästigte er vier Jungen, während er in einem Krankenhaus arbeitete. Alle vier Kinder waren Patienten. Quick kam zum ersten Mal in die Psychiatrie.
Später stach er unter Drogen- und Alkoholeinfluss einen Mann nieder. 1991 kam er dann schließlich nach einer Geiselnahme und einem Überfall erneut in die geschlossene Psychiatrie. Sein Mittäter war nur 15 Jahre alt gewesen, und Quick war immer noch drogenkrank. Es hatte sich also seit seiner früheren Jugend trotz psychiatrischer Behandlung nichts geändert.
Als er nach einigen Jahren langsam wieder auf ein Leben in Freiheit vorbereitet werden sollte, bekam er eine kleine Wohnung. Dort fand man bereits nach kurzer Zeit Kinderporno, Quick sollte nun in einer anderen Anstalt eine intensive Psychotherapie bekommen.
Es waren die 90er Jahre, Serienmörder waren damals auf einmal DAS Thema. Der Film „Das Schweigen der Lämmer“ hatte Premiere, das Buch „American Psycho“ machte von sich Reden. Quick fand das alles sehr interessant. Jahrzehnte später sagte er zu dem Journalisten und Autor Hannes Råstam: „Ich begriff, dass man intelligent und gleichzeitig Serienmörder sein konnte, das war wichtig für mich.“
Als er während eines Freigangs in Stockholm war, besuchte er die Bibliothek und las auf Mikrofilm alles, was über das Verschwinden von Thomas Blomgren geschrieben worden war. Er wurde seit 1964 vermisst, es gab keinerlei Hinweise und Spuren. Quick lernte alles auswendig, und gestand bei der nächsten Therapie-Stunde, diesen Mord begangen zu haben.
Die Aktion war für ihn ungefährlich. Er wäre zum Tatzeitpunkt nur 14 Jahre alt gewesen. Die Psychiater hätten allerdings nur einmal in die Kalender schauen müssen, dann hätten sie gemerkt, dass das alles nicht stimmen konnte. Quick wurde genau an dem Wochenende, an dem Blomgren verschwunden war, konfirmiert und war tagelang von der ganzen Familie umgeben gewesen. Aber niemand überprüfte das, und dass Quick auch keine Leiche vorweisen konnte, schien ebenfalls niemanden zu stören.
Für Quick wurde das falsche Geständnis jedoch zum Erfolgserlebnis. Seine Psychiater nahmen ihn von nun an wirklich ernst, er bekam jede Menge Medikamente und jede Menge Aufmerksamkeit.
Kurz darauf gestand er einen neuen Mord, und nun begann sich die Polizei ernsthaft für diesen merkwürdigen Psychiatrie-Patienten zu interessieren.

Aus ganz Skandinavien kamen Ermittler mit ihren ungeklärten Fällen und hofften, in Quick endlich einen Täter gefunden zu haben. Sie wurden nicht enttäuscht! Quick gestand alles, was es zu gestehen gab. Auch Morde, die nie stattgefunden hatten. So suchte man in Norwegen einmal nach Quicks Anweisungen nach zwei Leichen in einem See. Bis sich dann heraus stellte, dass beide „Opfer“ noch lebten.
Journalist Hannes Råstam hatte sich lange für den Fall Thomas Quick interessiert. Nach dieser merkwürdigen Suche nach nicht existierenden Leichen wurde er misstrauisch. Er reiste nach Norwegen und sah das Verhörmaterial der norwegischen Polizei durch. Er war entsetzt, denn auf den Videos war eindeutig zu erkennen, dass Quick unter Medikamenten stand. Er rollte mit den Augen, er schrie und wirkte wie ein Verrückter. Ihm wurde klar, dass hier etwas nicht stimmen konnte.
Zurück in Schweden besuchte er Quick in der Psychiatrie, und in langen Gesprächen gab Quick nun endlich zu, dass alles erfunden war.
Quick wurde inzwischen in den meisten Fällen bereits wieder freigesprochen. Zwei Fälle stehen noch aus.
Hannes Råstam schrieb ein Buch über Quick, am 10. August ist es in Schweden erschienen. „Der Fall Thomas Quick“. Leider erkrankte der Autor während seiner Arbeit schwer. Er schrieb das letzte Kapitel fertig – am nächsten Tag starb er.






Inzwischen fordern Angehörige der Mordopfer eine Untersuchungskommission. Denn für sie ist es besonders schmerzhaft. Da Quick nicht der Mörder war  - wer war es dann?

Quicks Geständnisse 





06.08.12

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Skankrimi

Thomas Quick

Thomas Quick - der Möchtegern-Serienkiller. 30 Morde hat er gestanden, wegen 7 wurde er verurteilt. Die meisten Urteile sind inzwischen aufgehoben, bei den restlichen ist es nur noch eine Formsache. Der Fall Thomas Quick ist ein Justizskandal, wie er weltweit seinesgleichen sucht. Im Moment ist er in Schweden ein großes Thema, da ein Buch über den Fall erschienen ist.

Ich habe im Laufe der Jahre schon öfters über ihn geschrieben (damals, als er DER Serienmörder Schwedens war), und kann mich erinnern, dass ich es damals schon sehr merkwürdig fand, dass seine Opfer so unterschiedlich waren, genau wie die Mordmethoden, die Tatorte ... bei jedem seiner vielen Morde lagen völlig andere Umstände vor.

Ich bin im Moment dabei, alle Informationen über Thomas Quick zu sortieren, er wird das nächste große Thema hier sein.

Blog-Info

Mal wieder ein neues Layout - aber ich fand mich mit dem "dynamischen" einfach nicht zurecht, vor allem verschwanden alle Hinweise, der Blog-Counter, Gästebuch usw. Mal schaun, ob ich es wieder so aufbauen kann, wie es früher war